lost in brotugal

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Wie in einer Wildwasserbahn wackelt alles hin und her. Ich sitze, also bin ich. Die Wände sind nah und doch so fern. Für kurze Augenblicke fühle ich mich schwerelos, kurz darauf werde ich wieder in den Sitz gedrückt. Es ist eigentümlich schön, Wärme umfängt meine Schultern, alles ist…diesmal ist es ein größerer Fall. Und wieder lande ich in meinem Sitz.

Daran könnte ich mich gewöhnen. Den sich hin- und herwindenden Gang, den ich manchmal durch leichtgeöffnete Augenlider erblicke nehme ich kaum wahr. Es ist alles so warm und weich, das Rütteln macht es aufregend. Der weiche Körper der hübschen Brünetten, die sich an meine Seite schmiegt, ist anregend und beruhigend zugleich.

Wie bin ich hierher gekommen?Ich tauche hinein in die Erinnerungen der letzten Tage. Vielleicht hebt sich so der Schleier. Die letzten Tage sind nur schwer in einzelne Tage zu trennen, vielmehr scheinen sie ein durchgängiges Band des Erlebnisses zu sein. Ich war in Portugal, genauer an der Algarve. Ursprünglich hatte ich einen Trip mit einem guten Freund geplant. Schon mein halbes Leben kenne und schätze ich ihn. Neulich ist uns dann aufgefallen, dass wir es dennoch nie auf einen gemeinsamen Urlaub geschafft haben.

Kurzerhand buchten wir einen Flug in die fremde Weite. Stimmt so nicht ganz, er war schon mehrmals da, ich aber nicht. Einen Schlafplatz wussten wir nicht, aber mein Kumpel hat Freunde dort. Ein Platz in einem Bus sei uns daher wahrscheinlich sicher.

So hab ich mich auf 9 tolle Nächte im komfortablen Schlafabteil unseres Luxus-Mietwagens, einem Mazda2 eingestellt. Daraus wurde aber nichts.

Am Flughafen Memmingen mit meinem ryanairtauglichen Handgepäck (love your flight – RYANAIR) angekommen, habe ich zunächst die Ruhe und Abgeschiedenheit genossen. Flugzeuge fliegen hier kaum, mein Skatemagazin lesend hat mich das positiv überrascht. Nachdem ich mit der Lektüre fertig war, stellte ich mich nun auf Langeweile ein. Welch Luxus.

Nach einigen Minuten kamen zwei Figuren zu den Bierbankgarnituren des geschlossenen Kaffeehüttchens, an dem ich mein Basislager aufgeschlagen hatte. Keiner von beiden war der Kumpel, mit dem ich den Urlaub geplant hatte. Freudig stellte ich aber fest, dass zumindest einer von Ihnen ein mir bekannter Exzivi einer berühmt-berüchtigten Dienststelle in Oberbayern ist. Nach der Begrüßung wurde mir dann klar, dass aus dem Urlaub zu zweit ein Urlaub zu viert, und dass es zu viert verdammt eng im Schlafabteil des Mietwagens Mazda2 werden würde. Damals konnte ich den weiteren Verlauf des Urlaubs ja noch nicht ahnen.

Denn nach einem vergleichsweise unspektakulären Flug nach Faro, auf dem ich fast gebrochen hab — in Ermangelung eines Getränkes zum Runterspülen ist mir die Tablette gegen Übelkeit im Hals stecken geblieben, sind wir dann doch relativ entspannt mit unserem Schlafmobil dem Mazda2 an der Atlantikküste angekommen.

In düsterer Nacht mitten in der nach Salz und Frühling riechenden Luft präsentierte uns dann der Vierte im Bunde eine der vielen leerstehenden Villen nahe der Küste der Algarve. Auf seine Worte, dies sei für die nächsten Tage unser Quartier waren wir kurz, aber wirklich nur ganz kurz sprachlos, bevor wir dann in typisch maskulines Begeisterungsgrunzen verfallen sind.

Geil! Also doch keine 9 Tage mit drei anderen, ungewaschenen bärtigen Bratzen im Auto oder sonstwo schlafen. Nein, höchst herrschaftlich, nahezu dekadent würden wir diese Tage fristen. Mit einem Pool im Garten, den wir eh nicht nutzen würden. Aber haben ist ja bekanntlich besser, als nicht können.

So verbrachten wir nun also diese Tage in höchst erbaulicher Stimmung, und dazu vom Tagesverlauf äußerst gleichmäßig. Am ersten Morgen nach der Ankunft versuchte ich mich an einem besonderen Wagnis. Die am Abend vorher entdeckte Stereoanlage schien mir perfekt für eine kleine frühmorgendliche Weckung um 7. Gedacht, gemacht. Als ich also um kurz vor sieben mein Handy nach adäquater Musik zum Wecken durchforstete kam mir ein unwiderstehlicher Gedanke. Wenn man schon so über seinen Ansprüchen wohnt, dann gilt es auch eine entsprechende Musik zum Wecken zu verwenden. Und da gibts vermutlich nur eines, das sowohl den Geschmäckern der Hausgeister gefallen, als auch den mitgereisten Surferboys missfallen würde.

So kam es, dass mitten in der beschaulichen Algarve, in einer Villa zwischen vielen anderen frühmorgens um 7 der Walkürenritt aus allen Rohren ballerte. Zum Schutz der Fenster diese geöffnet, was wiederum bei den Nachbarn — einem schottischen Rentnerpaar — für herbe Freude sorgte.

Anschließend verbrachten wir jeden Tag einige Stunden damit, Wellen zu gucken. Ja genau, Wellen gucken. In Portugal habe ich gelernt,  dass nach Wellen surfen die zweitgrößte Freude im Leben eines echten Surferboys das Wellen gucken ist. Und mitgehangen, mitgefangen – so verbrachte auch ich als undercover-nicht-Surferboy ewige Zeit ungeduldig fußscharrend an den wunderschönen Stränden der Westküste Brotugals. Ungeduldig fußscharrend natürlich, weil ich es kaum erwarten konnte, geile Surfboardaction vor meine Linse zu kriegen.

Aber das war dann auch die Gelegenheit, an der mir die Bedeutung des Wortes Langeweile wirklich klar wurde, und wie ich diesen fortan wohl nie wieder als negativ würde ansehen können. Während mir nämlich die fiesen Fressen meiner Freunde ständig etwas von „ner geilen linken“ oder „boa, was ein righthander“ ins Ohr brabbelten, kam ich in den Genuss, mir von der rauhen Atlantikbrise eine lange-weile-lang einfach nur das Hirn freiblasen zu lassen.

Apropos, kurz vorm Schluss noch eine witzige Anekdote:
Eines morgens, als der Forecast perfekte Bedingungen versprach waren wir sehr früh am Strand. Ein mit uns befreundeter Surferboy kam etwas später. Freudig begrüßte ich ihn mit einem „Moin! Wie gehts?“. Selten habe ich mich alsdann so klein und unbedeutend gefühlt wie in dem Moment, als er mit glasigen Augen zum nahestehenden Fahnenmast des Parkplatzes an der Steilküste schaute. „Ist ja onshore!“ waren seine Worte, bevor er, mich völlig unbeachtetend, an mir vorbei Richtung Meer schritt. Später wurde mir dann klar, dass mit dem Ausdruck „Ist ja onshore!“ ein für einen Otto-Normal-Nicht-Surfer nicht erfassbares Maß an Enttäuschung ausgedrückt wird. Onshore Wind, also anlandiger Wind bügelt das Meer im allgemeinen glatt. Und macht somit jegliche Hoffnung auf „geile Wellen“ zunichte.

Der Tag war dann tatsächlich für die Katz, aber trotzdem hatten wir am nächsten Abend und auch generell sehr gute Bedinungen. Und in meiner Phantasie habe auch ich einige geile Wellen abgeritten.

 

Whoa! Das ist ja gar keine Brünette an meiner Seite! Dank des letzten wirklich krassen Rüttlers hab ich die Augen aufgemacht und was erblickten meine unschuldigen Äuglein?  Einen mittelstark schwitzenden und dazu noch etwas mehr als mittelstark stinkenden fremden Passagier des Fluges von Faro nach Memmingen. Nie wieder werd ich gleich zwei von diesen miesen Reisetabletten einwerfen!

Monte Clerigo 2

 

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„Wellengucken“

 

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Monte Clerigo

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